Das Haus der Regierung
Dokumentarfilm von Christiane Büchner
Zeitgleich
mit dem Einsetzen des ersten Fünfjahresplans ließ Stalin 1929 das Haus
der Regierung bauen. Wie ein luxuriöser Überseedampfer wurde der
Gebäudekomplex mit immerhin fünfhundert Wohnungen ausgestattet. Mit
Kantine, Kino, Theater und vielerlei Läden bildete das Haus am Ufer
einen Kosmos für sich. Selbst für die Inneneinrichtung wurde gesorgt; so
gehörte in jede der großräumigen Wohnungen auch ein Schreibtisch nach
dem Vorbild von Lenins Arbeitstisch. Gegenüber dem Kreml errichtet,
getrennt durch die Moskwa, die doch nicht schützend dazwischen lag,
zogen hier auf Anweisung die verdienten Revolutionäre sowie die Partei-
und Staatselite ein. Aus der Perspektive der Bewohner dieses Zentrums
der Macht, aber auch der Ohnmacht, entsteht im Film ein lebendiges Bild
der Sowjetunion bis hin zu den heutigen Insignien der Macht. Die
Erinnerungen und Kommentare der Witwen und Nachkommen der ersten
Einwohnergeneration dieser Festung zeichnen anhand der Geschichte des
Hauses eine sehr persönliche Chronik des 20. Jahrhunderts.
Die in Köln lebende Filmemacherin Christiane Büchner
sammelte über fünf Jahre Archivmaterial und interviewte Zeitzeugen. Ohne
dem üblichen Filmteam, sondern ausschließlich mit einer kleinen
Videokamera, entstand während der Dreharbeiten eine Vertrautheit zu den
Protagonisten, aus der diese Dokumentation ihre authentische Kraft
schöpft.